IPC WELTCUP 2012 der Schützen mit Behinderung – TÜRKEI (Colakli/Antalia) 2012

Berichte von Uwe Knapp
 

ANKUNFT

Vom 2.-5.Mai findet in der Türkei der Weltcup des IPC Shooting statt. Als Ort wurde vom Veranstalter Antalya angegeben, Antalya ist nach ca. einer Stunde aber immer noch nicht erreicht worden. Dieses Antalya liegt ungefähr 60 km vom Flughafen Antalya entfernt und heißt Colakli.  Die Anreise ist sonst sehr gut verlaufen, alle sind wohlauf und die Temperaturen von 28° Grad fühlen sich sehr angenehm an.
Die eher trüben und etwas gestressten Gesichter der vor allem jungen Sportschützen des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) haben sich schnell wieder erhellt als wir das Hotel Kamelya World Hotel  erreicht hatten.
Direkt am Meer gelegen, ein toller Ausblick und wunderschöne Zimmer. Da das Hotel auch gleichzeitig die Sportstätte sein wird, der Schießstand befindet sich in einem großen Saal im ersten Obergeschoss, wird die Zeit zum Regenerieren sicherlich nicht zu kurz kommen.

Deutsches Team

Erst einmal hieß es aber die Zimmer beziehen, die Örtlichkeiten kennenzulernen und dann ging es auch bereits zur ersten Besprechung.

Mit 25 Nationen ist dieser Luftdruck-Weltcup sehr gut besucht. Einige Nationen bereiten hier ihre Schützen auf die Paralympischen Spiele 2012 in London vor, andere haben vollkommen neue Sportler am Start.
Nach der Equipment Control folgte am zweiten Tag das erste Training in allen Disziplinen. Sehr ungewohnt sind die Bedingungen am Schießstand, da die Lichtverhältnisse und die Fußbodenbeschaffenheiten nicht dem internationalen Standard entsprechen. Hier bedarf es einiger Eingewöhnungszeit. Die Temperaturen machen vor allen den Nordeuropäern zu schaffen, selbst im Schießstand herrschen weit über 30° Grad.
Die offiziellen Eröffnungsfeierlichkeiten haben am späten Nachmittag bei herrlichem Wetter stattgefunden. Bei 31° Grad im Schatten, direkt am Pool und nur kurzen Ansprachen sind bei allen Beteiligten auf große Zustimmung gestoßen. Anschließend wurden beim Technical Meeting alle wettkampfrelevanten Angelegenheiten besprochen. Im Anschluss wurden die Sportler von Cheftrainer Uwe Knapp aus Bad Bederkesa und Gewehrtrainer Manfred Gohres aus Waldböckelheim über den gesamten Wettkampfablauf informiert.

Bild: Mannschaftbild Deutsche Delegation
 

TAG 2

Den Auftakt in den IPC Weltcup der behinderten Sportschützen im türkischen Colakli hat Sebastian Roloff mit der Luftpistole gemacht. Der Nachwuchssportler aus Benzinerode, der für die SGi Seehausen in Sachsen-Anhalt startet, hat einen sehr ausgeglichenen Wettkampf geschossen. Für Sebastian Roloff ist es wichtig Erfahrung zu sammeln um mit Wettkampfsituationen besser umgehen zu können. Und dies ist dem jungen Pistolenschützen durchaus gelungen. Mit 546 Ringen konnte Roloff den 15. Platz belegen und erstmals Weltranglistenpunkte für sich sammeln. Sieger mit einem fantastischen Finale von 102,3 Ringen wurde Korhan Yamac aus der Türkei.

In der Disziplin Falling Target der SH2 Schützen mit dem Luftgewehr sah es lange Zeit nach einer Überraschung durch Andreas Schäfer aus Altenbeken aus. Fehlerfrei ist Andreas Schäfer durch die Hauptrunde gekommen. Im anschließenden Viertelfinale besiegte Schäfers den Briten  James Bevis im Stechen. Im Halbfinale blieb der Altenbeker ohne Fehlschuss und erreichte sicher das Finale der besten vier Schützen. In einem hochkarätigen Finale gab es lediglich einen verfehlten Treffer in der interessanten Klappscheibendisziplin zu sehen, der aber ausgerechnet Andreas Schäfers unterlaufen ist. Die Gegner von Andreas Schäfers haben allesamt 10 Treffer erzielen können, der Altenbeker kam auf hervorragende neun Treffer. Mit dem besten Ergebnis in seiner sportlichen Laufbahn wurde Andreas Schäfers letztendlich sehr guter Vierter.
Die Hauptrunde haben auch Leopold Rupp und Jennifer van Lier überstanden. Für Jennifer van Lier kam dann das Aus, Leopold Rupp hingegen gelang der Einzug ins Halbfinale mit einer sehr guten Leistung.

Den Abschluss des ersten Wettkampftages haben die Luftgewehrschützen (SH1) der Frauen und der Männer gemacht. Anja Maurer aus Oberstenfeld-Gronau und Michael Schaub aus Stadtallendorf waren hier die einzigen deutschen Teilnehmer.

Bild: Anja Maurer

Für Anja Maurer hat der Wettkampf recht gut begonnen. Obwohl die junge Gronauerin sehr nervös war, da die Wärme im Schießstand kaum einen vernünftigen Schießrhythmus zugelassen hat. Nach anfänglichen Schwierigkeiten hat es Anja Maurer immer wieder verstanden saubere Zehnen zu erzielen. Lediglich einige Unkonzentriertheiten haben ein wesentlich höheres Ergebnis zu nicht gemacht. Mit 382 Ringen hat Anja Maurer das Finale an Position acht erreicht. Im Finale konnte sich Maurer nicht mehr verbessern und blieb auf dem achten Platz in der Einzelwertung. Überlegene Siegerin wurde Paralympics Siegerin Veronika Vadovicova aus der Slowakei.

Auch Michael Schaub konnte mit seinem Wettkampf zufrieden sein. Das Ergebnis von nur 556 Ringen spiegelt nicht den wahren Verlauf des Wettkampfs wieder. Nach einem sehr schwachen Start steigerte sich der Liegendspezialist erheblich und erreichte bei Temperaturen jenseits der 35° Grad  noch den 15. Platz.

TAG 3

Für Leopold Rupp aus Albersdorf und dem Trainerstab war auch die Nacht zum zweiten Wettkampftag beim IPC Weltcup in der Türkei wieder recht kurz. Frühstück um 5:45 und gleich darauf hat die Vorbereitung zum Wettkampf R4 der SH2 Schützen – stehender Anschlag begonnen. Irgendwie war es wohl doch zu früh für den jungen Sportschützen aus Schleswig-Holstein. Leopold Rupp war noch beseelt von den Träumen der Nacht, vielleicht auch nur unachtsam. Nervosität hat sicherlich auch eine Rolle gespielt, wie kann es sonst zu einer Wertung von Null Ringen kommen. Zu früh am Abzug, einen Spasmus in der Hand und schon war es passiert. Ungläubig war der Blick von „Leo“ Rupp, nur war es in diesem Augenblick nicht mehr zu ändern. „16 Ringe auf vier Wertungsschüsse verloren“, so der Kommentar von Leopold Rupp. Als zweite Starterin ist Jennifer van Lier von der BSG Rees an den Start gegangen. Schmerzen in den Füssen haben die Nachwuchsschützin so stark beeinträchtigt, so dass nur wenige gute Schussabläufe möglich waren. Mit 587 Ringen blieb Jennifer van Lier hinter ihren eigenen Erwartungen zurück. Nun lagen die Hoffnungen bei Andreas Schäfer aus Altenbeken um noch eine gute Mannschaftsplatzierung zu erreichen. Zunächst sah alles nach einem Topergebnis aus, nur häuften sich die technischen Fehler im Verlauf des Wettkampfes. Zu frühes Auflösen der Körperspannung und schlechtes Abzugsverhalten machten bald alle Träume zunichte. Zwar war Andreas Schäfers mit 589 Ringen der Beste der Deutschen Schützen, für einen Treppchenplatz hat die Mannschaftsleistung aber nicht ausgereicht.

Andreas Schäfers, Leopold Rupp, Jennifer van Lier

Bild:

Andreas Schäfers, Leopold Rupp, Jennifer van Lier

Eine Lehrstunde gab es für Jennifer van Lier mit der Luftpistole. In der Disziplin P2 hat die junge Sportschützin vom Niederrhein einen sehr guten Start erwischt. Mit 90 Ringen lag sie noch auf Finalkurs. In der dritten und vierten Serie war einfach keine Zehn mehr auf der elektronischen Anzeige zu erkennen. Jennifer van Lier konnte es kaum glauben, obwohl immer wieder sehr saubere technische Abläufe zu erkennen waren. Am Ende verfehlte van Lier das Finale deutlich.

Zwei starke Auftritte hatten Anja Maurer aus Oberstenfeld und Michael Schaub aus Stadtallendorf. In der Disziplin Falling Target der SH1 Schützen Gewehr blieben die DBS Sportschützen nahezu fehlerfrei. Im Viertelfinale erreichten Maurer und Schaub jeweils den 3. Platz in ihrem Durchgang und konnten somit nicht mehr in den Medaillenkampf
letzter Tag:

Der letzte Wettkampftag in Colakli an der türkischen Mittelmeerküste hätte nicht schöner beginnen können. Ein strahlend blauer Himmel und bereits in den Morgenstunden war es bereits angenehm warm. Trügerisch und schön zugleich war dieses Wärmegefühl.

Drei Entscheidungen haben heute noch angestanden an denen alle mitgereisten Sportler beteiligt waren. Das Hauptaugenmerk lag sicherlich auf den SH1 Schützen Anja Maurer und Michael Schaub in der Disziplin R3 Luftgewehr liegend. Beide deutschen Schützen starteten im gleichen Durchgang, so dass die Trainer alle Hände voll zu tun hatten.
Einer der besten Liegendschützen im deutschen Team ist sicherlich Michel Schaub aus Stadtallendorf. Nach einem sehr guten Start sah alles nach einem guten Ergebnis aus. Aber zur Mitte des Wettkampfes ging Michael Schaub buchstäblich die Puste aus. Es war warm geworden im Schießstand und dieser Zustand sollte sich im Verlaufe des Tages noch weiter zuspitzen. Mit seiner Leistung von 590 Ringen war Schaub sichtlich unzufrieden. Anja Maurer kam besser zurecht, obwohl auch ihr leichte Fehler unterlaufen sind. Schuld daran waren sicherlich die Temperaturen. Anja Maurer konnte das Finale der besten acht Schützen erreichen und lieferte auch dort eine ordentliche Leistung ab. Im Vorkampf waren es 597 Ringe, dazu sind noch einmal 103,4 Ringen aus dem Finale zu vermelden. Platz Nummer Sieben war der Lohn für Anja Maurer.

Tolle Leistungen lieferten auch Sebastian Roloff und Jennifer van Lier in der Klappscheibendisziplin Falling Target der Luftpistolenschützen ab. Beide deutschen Schützen haben erstmals an diesem Schießen teilnehmen dürfen, Vorsetzung sind entsprechende Weltranglistenpunkte. Jennifer van Lier überzeugte in der Hauptrunde sowie im Viertelfinale und ist dann äußerst unglücklich ausgeschieden. Für Sebastian Roloff kam das Aus bereits in der Hauptrunde.

Abschiedsbild – Nachts um 01:30 Uhr

Die SH2 Schützen haben die Veranstaltung mit der Disziplin R5 Luftgewehr, liegender Anschlag beendet. Für die deutschen Starter Leopold Rupp, Jennifer van Lier und Andreas Schäfers gab es diesmal nichts zu gewinnen. Allein sieben Qualifikanten haben im Vorkampf die Optimalringzahl von 600 Ringen erzielen können, mit 599 Ringen musste man in ein Stechen. Andreas Schäfers war mit 597 Ringen noch der beste deutsche Starter, gefolgt von Multitalent Jennifer van Lier mit 595 Ringen. Jennifer van Lier schießt sowohl die Gewehr- wie auch die Pistolendisziplinen. Bessere Leistungen waren einfach nicht mehr möglich da die Temperaturen im Schießstand, einem zweckentfremdenden Ballsaal, am Nachmittag weit über 35° Grad gelegen haben. Der jungen Grade der Nationalmannschaftschützen fehlt es in dieser Hinsicht einfach noch an Erfahrung um mit Extremsituationen umgehen zu können. Diese Erfahrungen können nur bei internationalen Wettkämpfen gesammelt werden, die für die Zukunft vermehrt geplant werden müssen.

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